Historischer blauer Rüsselbecher, Vendelzeit, 7. Jahrhundert

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Code: HGS1574

Handgefertigte Replik eines frühmittelalterlichen Glasbechers mit plastischen Fortsätzen, basierend auf archäologischen Funden aus England. Dieser charakteristische Gefäßtyp wird in der Fachliteratur als claw beaker bezeichnet – wörtlich „Klauenbecher“.

Der Becher besticht vor allem durch seine außergewöhnliche kunsthandwerkliche Gestaltung. Auf den Gefäßkörper sind markante hohle Glasfortsätze aufgesetzt, die an gebogene Klauen oder Krallen erinnern. Der obere und untere Bereich des Gefäßes ist zusätzlich mit horizontal aufgelegten Glasfäden verziert. Das Ergebnis ist ein Objekt, das zugleich archaisch, organisch und überraschend modern wirkt.

Die Replik veranschaulicht das hohe Niveau des frühmittelalterlichen Glashandwerks.

  • Höhe: 17 cm
  • Breite: 9 cm
  • Material: Glas
  • Datierung der Vorlage: Frühmittelalter, ca. 6.–7. Jahrhundert
  • Kulturelle Einordnung: frühe angelsächsische Zeit, zeitgleich mit der Vendelzeit in Skandinavien
  • Vorlage: archäologische Funde aus England
  • Handgefertigt in der Tschechischen Republik

Claw Beaker – Klauenbecher

Die sogenannten Claw Beakers gehören zu den markantesten Formen frühmittelalterlicher Glasgefäße in Europa. Ihre Bezeichnung leitet sich von den charakteristischen Glasfortsätzen am Gefäßkörper ab, deren längliche und gebogene Form an Klauen oder Krallen erinnert.

Diese Becher sind vor allem durch archäologische Funde aus dem 5.–7. Jahrhundert bekannt. Sie kommen sowohl in Kontinentaleuropa als auch im angelsächsischen England vor. Die britischen Funde stammen vor allem aus Gräberfeldern frühangelsächsischer Gemeinschaften, wobei einige Exemplare in außergewöhnlich reich ausgestatteten Gräbern entdeckt wurden.

Berühmte Funde aus England

Eine bedeutende Gruppe dieser Gefäße stammt beispielsweise aus Taplow in Buckinghamshire, wo 1883 ein außergewöhnlich reich ausgestattetes angelsächsisches Grab entdeckt wurde. In diesem Grab befanden sich gleich vier Claw Beakers. Sie gehören zu den eleganten Beispielen dieses frühmittelalterlichen Glastyps und werden an den Beginn des 7. Jahrhunderts datiert.

Weitere Exemplare sind unter anderem aus den Gräberfeldern von Mucking in Essex, Buckland bei Dover und Great Chesterford in Cambridgeshire sowie von weiteren angelsächsischen Fundorten bekannt. Archäologische Funde zeigen, dass verschiedene Varianten existierten, die sich in Anzahl und Anordnung der Fortsätze, den Proportionen des Gefäßes sowie in der Glasfarbe unterschieden.

Herstellung frühmittelalterlicher Glasgefäße

Der Grundkörper des Gefäßes wurde durch Glasblasen hergestellt. Die charakteristischen plastischen Elemente wurden anschließend aus heißem Glas geformt, am Gefäßkörper angesetzt und in die gewünschte Form ausgezogen. Ergänzt werden konnte die Verzierung durch dünne Glasfäden, die um das Gefäß gelegt wurden.

Gerade die Kombination aus geblasenem Gefäßkörper, aufgesetzten plastischen Elementen und Glasfäden zeugt von der großen handwerklichen Geschicklichkeit der damaligen Glasmacher. Originale Gefäße besitzen häufig sehr dünne Wandungen und ihre Herstellung erforderte einen erfahrenen Handwerker.

Angelsächsisches England und die Vendelzeit

Die Datierung dieser Becher überschneidet sich teilweise mit der Epoche, die in Skandinavien als Vendelzeit bezeichnet wird, etwa 550–800 n. Chr. In England wird für denselben Zeitraum hingegen die Bezeichnung frühe angelsächsische Zeit verwendet.

Beide Regionen waren Teil einer miteinander verbundenen Welt Nordeuropas, in der Gegenstände, Materialien, künstlerische Einflüsse und Formen der gesellschaftlichen Repräsentation zwischen den Eliten verbreitet wurden. Luxuriöse Glasgefäße gehörten zu den Objekten, die bei Festmählern und zeremoniellen Zusammenkünften verwendet werden und zugleich den gesellschaftlichen Status ihrer Besitzer zum Ausdruck bringen konnten.

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